Verein Orgelmusik St. Peter

Orgel pur

Konzert „Die Orgel im Dialog..."

Montag, 24. Juni 2024, 19:30 Uhr

Christian Barthen (Bern), Orgel

Werke von Bruhns, Mozart, Walther, Hindemith, JS Bach

Konzertprogramm

Nikolaus Bruhns
1665 – 1697

Präludium in G

Wolfgang Amadeus Mozart
1756 – 1791

Adagio und Allegro f-Moll
«Ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr» KV 594

Johann Gottfried Walther
1684 – 1748

Concerto h-Moll
Allegro
Adagio
Allegro

Paul Hindemith
1895 – 1963

3. Orgelsonate «Nach alten Volksliedern» (1940)
Ach Gott, wem soll ich's klagen - Mäßig bewegt
Wach auf, mein Hort - Sehr langsam
So wünsch ich ihr – Ruhig bewegt

Johann Sebastian Bach
1685 – 1750

Passacaglia c-Moll BWV 585

Konzertinformationen

Es gibt viele verschiedene Gründe und Kriterien, nach welchen ein Konzertprogramm zusammengestellt werden: es kann ein Komponist oder eine Epoche im Zentrum stehen, ein literarisches Thema oder eine bestimmte Jahreszeit im Kirchenjahr. Für Christian Barthen stehen bei der Werkauswahl prominentes Repertoire, eine Vielfalt der Gattungen und Stile und vor allem das jeweilige Instrument und seine Spezifika im Fokus.
Für sein Konzert an der Silbermann/Lhôte-Orgel hat der Organist beispielhafte Werke der deutschen Orgelkunst aus verschiedenen Epochen ausgewählt. Diese Auswahl unterstreicht einmal mehr die klangliche Vielfalt der Peterskirchenorgel, auf der sich Musik aus Barock, Klassik und Moderne sehr überzeugend darstellen lässt.
Als feierliche Eröffnung dient das Präludium in G von Nikolaus Bruhns, einem der wichtigsten Vertreter der norddeutschen Orgelschule, dem Lieblingsschüler des grossen Meisters Dietrich Buxtehude. Bruhns wurde zeitlebens als ein begnadeter Virtuose gefeiert. Vermutlich war seine Musik vor allem improvisiert, denn es gibt nur eine Handvoll Orgelwerke, die nach seinem frühen Tod erhalten blieb. Für die herausragende Qualität seiner Musik spricht allein schon die Tatsache, dass sie von Johann Sebastian Bach hoch geschätzt wurde. Von Bach selber erklingt als Abschluss und Höhepunkt des Konzerts die berühmte Passacaglia c-Moll.
Johann Gottfried Walther, dem wir einige Abschriften der norddeutschen Orgelmusik (unter anderem von Bruhns) zu verdanken haben, hat sich für musikalische Neuigkeiten auch ausserhalb Deutschlands interessiert. Wie sein Vetter Johann Sebastian Bach, bearbeitete auch Walther mehrere italienische Streichkonzerte für Orgel; das Concerto von Torelli in Walthers Orgelfassung zählt zu den beliebtesten Werken des barocken Orgelrepertoires.
Von Mozart sind eher wenige Orgelwerke erhalten; streng genommen handelt es sich bei den meisten Kompositionen um Werke für eine Flötenuhr. Nach einer viele Jahrzehnte andauernden Blütezeit war das Instrument aus der Mode gekommen, das Interesse galt vielmehr der weltlichen Musik, als dem mit der Kirche eng verbundenen Instrument. Nichtsdestotrotz gelang Mozart mit seiner sogenannten kleinen Fantasie f-Moll ein Meisterwerk, das in seiner Tiefgründigkeit in einer Liveaufführung auf der Orgel doch viel besser aufgehoben ist, als bei einer mechanischen Flötenuhr…
In einem scheinbar frappierenden Kontrast zum restlichen Programm steht die 3. Orgelsonate von Paul Hindemith. Dabei war Hindemith allein schon durch sein grosses Interesse an der polyphonen Schreibweise und generell an „alten“ Musikgattungen mit der Barockepoche sehr verbunden. Er komponierte Sonaten für beinahe alle klassischen Instrumente, darunter auch drei Sonaten für Orgel. Die Dritte Sonate ist 1940 im amerikanischen Exil entstanden. Paul Hindemith, dessen Musik im dritten Reich als „entartete Musik” galt und der sich zur Emigration gezwungen sah, verarbeitete in diesem Werk alte deutsche Volkslieder, darunter „Ach Gott, wem soll ich’s klagen“: ein Ausdruck der Sehnsucht nach der verlassenen Heimat und seiner Ehefrau, die ihm erst Monate spätes ins Exil folgen konnte.

Über den Interpreten
Christian Barthen (*1984 in Saarbrücken)

Christian Barthenist Organist und künstlerischer Leiter der Musik am Berner Münster, Orgeldozent an der Hochschule der Künste in Bern (HKB) und ein internationaler Konzertorganist. Bereits zur Schulzeit wurde er als Jungstudent an der Hochschule für Musik Saar ausgebildet. Nach seinem Abitur absolvierte er seine Studien in Orgel (Konzertreife und Solistenexamen), Klavier und Cembalo (Diplom) sowie Evangelischer Kirchenmusik (A-Examen) und Musikpädagogik (Diplom) in Saarbrücken, Paris und Stuttgart.
Zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei renommierten Orgel- und Musikwettbewerben, unter anderem beim "Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb" in Wiesbaden (D), beim Internationalen Orgelwettbewerb von St. Maurice d´Agaune (CH) und beim weltweit herausragenden "Grand Prix de Chartres" (F) eröffneten ihm eine aussergewöhnliche Konzertkarriere. Als einer der etabliertesten und prominentesten Konzertorganisten seiner Generation führen ihn seine Engagements regelmässig in viele Kirchen, Kathedralen und Konzerthäuser Europas, Russlands, Ostasiens und Südamerikas.
Das Orgelrepertoire von Christian Barthen umfasst zentrale und wesentliche Werke aller Epochen und Stile. Dazu kommen Transkriptionen und Bearbeitungen, wie etwa die Sonate h-Moll von Liszt oder die Variations sérieuses op. 54 von Mendelssohn, sowie Neue und zeitgenössische Musik (Welterstaufführungen und -einspielungen).
Als Solist und als Dirigent hat er sich in besonderer Weise mit dem Werk von Johann Sebastian Bach befasst, darunter die Kunst der Fuge, die Goldberg-Variationen, das Weihnachts-Oratorium, die Johannes-Passion, das Magnificat, über 20 Kantaten, div. Cembalokonzerte, das 5. Brandenburgische Konzert und die Vier Orchestersuiten. Im Jahr 2010 spielte er die Sechs Triosonaten für Orgel aus dem Gedächtnis. Rundfunk- und Fernsehproduktionen entstanden bei diversen Sendern der ARD, SRF und Radio France. Als Aufnahmekünstler der Verlage Naxos Records und ifo/Organ publizierte er vier CDs, vornehmlich mit Werken von Max Reger.
Seit seiner Jugend arbeitet Christian Barthen als Kirchenmusiker und war unter anderem von 2003 bis 2012 Assistent von Prof. Theo Brandmüller an der Ludwigskirche in Saarbrücken. Von 2015 bis 2020 war er Kantor und Organist der historischen Link-Orgel (1906) an der Ev. Stadtkirche in Giengen an der Brenz. Ab 2020 leitete er die traditionsreiche Kirchenmusik an der Ev. Hauptkirche St. Anna in Augsburg. Parallel dazu unterrichtete er als Gastdozent bei internationalen Meisterkursen und Akademien für Musikhochschulen und Universitäten in Deutschland, Südkorea, Kolumbien und Finnland.

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Eintritt frei, Kollekte