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Konzert

Faszination Mittelalter

Konzert „Die Orgel im Dialog ..."

, 19. Oktober 2026, 19:30 Uhr

Hanna Geisel: Schalmei, Pommer, Gaita (Dudelsack), Doulçaine, Blockflöte
Ann Allen: Schalmei, Pommer, Doulçaine, Blockflöte
Adam Bregman: Zugtrompete, Posaune, Blockflöte
Ekaterina Kofanova, Orgel

Werke von Binchois, Dufay, Ciconia, Machaut, Boëllmann, Langlais u. a.

Konzertprogramm

Léon Boëllmann
1862 – 1897

Suite gothique Op. 25:
Introduction - Choral
Menuet gothique
(Orgel solo)

Johannes Ciconia
ca. 1370 – 1412

Chi nel servir antico
Per quella strada lactea
Merçe o morte

Jean Langlais
1907 – 1991

aus der Suite médiévale en forme de messe basse:
Prélude (Entrée) 
Tiento (Offertoire)
(Orgel solo)

Guillaume de Machaut
ca. 1300 – 1377

Puisqu'en oubli
Douce dame jolie

Jean Langlais

aus der Suite médiévale en forme de messe basse:
Méditation (Communion)
(Orgel solo)

Guillaume Dufay
ca. 1400 – 1474

Se la face ay pale

Gilles Binchois
ca. 1400 – 1460

Je loy amours
Je loy amours aus dem Buxheimer Orgelbuch (Orgel)

Guillaume Dufay

Ce jour de l'an

Charles-Marie Widor
1844 – 1937

Adagio aus der Symphonie gothique Op. 70
(Orgel solo)

Antoine Busnois
ca. 1435 – 1492

Bel accueil
Seul a par moi
Fortuna desperate

Léon Boëllmann

aus der Suite Gothique Op. 25:
Toccata (Orgel solo)

verschiedene Komponisten
aus dem Mittelalter

Tanzsuite:

Pavane La Vénisienne
Gaillarde
Allemande Folge
Branle communs Folge
Branle gay

Konzertinformationen

Ob in gotischen Romanen, nachgestellten Ritterkämpfen, im Film und Computerspiel oder im Wiederaufleben alter Musizierpraktiken: das Mittelalter fasziniert bis heute. Zwar hat moderne Forschung die pauschale Bezeichnung dieser Epoche als „das dunkle Zeitalter“ schon längstens widerlegt. In der romantisierenden Vorstellung der Kunst aber spielt gerade das geheimnisvolle, mystische Mittelalter nach wie vor eine grosse Rolle.

Eines der wichtigsten Symbole dieser Zeit ist die gotische Kathedrale. Zunächst war der vom Italiener Giorgio Vasari eingeführter Begriff Gotik abwertend gemeint, als eine „barbarische“ Kunst im Gegensatz zu der wahren „klassischen“ Kunst der Renaissance. Erst die Romantiker entdeckten die eigenartige Schönheit dieser Architektur wieder; später setzten Victor Hugo, Claude Monet und Marcel Proust in ihren Werken der gotischen Kathedrale ein zeitloses Denkmal.

Die Kathedrale war auch das Zentrum einer hochentwickelten musikalischen Tradition, hier entwickelten sich aus dem einstimmigen Gregorianischen Gesang die polyphone Kunst und damit verbunden auch die Notation. So sind die in grossen Kirchen und Klöstern verfassten Manuskripte unersetzliche Quellen für die heutige Musikforschung und Aufführungspraxis. Und natürlich passen zu so einer monumentalen Architektur mächtige Orgelklänge dazu. Besonders in Frankreich, wo im 19. Jahrhundert grosse symphonische Orgeln in alten Kirchen gebaut wurden, spielte diese Verbindung vom Raum und Klang eine grosse Rolle.

In ihren Orgelwerken verfolgen die französischen Komponisten Léon Boëllmann und Jean Langlais ganz unterschiedliche Ansätze. Léon Boëllmann komponierte seine Suite gothique zur Einweihung der neuen Orgel in der Kathedrale Notre-Dame in Dijon. Der Titel spiegelt einerseits die Begeisterung der französischen Spätromantik für das Zeitalter Gotik wider, die auch die kurz zuvor entstandene Symphonie Gothique für Orgel von Charles Marie Widor (1894) bezeugt. Weiter hatte das Adjektiv „gotisch“ bzw. französisch „gothique“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die zusätzliche Bedeutung „altertümlich“, was Boëllmann in Anspielung auf die „archaische“ Form der ersten beiden Sätze vermutlich ebenfalls gemeint hat. Denn tatsächlich waren um 1895 die Formen der Tanzsuite wie das Menuett – das Boëllmann im Titel des zweiten Satzes ausdrücklich als „gotisch“ ausweist – schon lange aus der Mode gekommen. Insgesamt entspricht aber die Tonsprache in diesem Werk einem spätromantischen Idiom, auch wenn sie einige harmonische Besonderheiten aufweist, wie beispielsweise in der Toccata – dem berühmtesten Werk Boëllmanns und einem der meistgespielten Orgelstücke überhaupt.

Jean Langlais komponierte seine Suite médievale 1947 in Anlehnung an die reiche Tradition der französischen Orgelsuite, welche zur Aufführung während der Messe vorgesehen wurde. Diese Tradition existierte seit dem Frühbarock bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962), als die Rolle der Orgelmusik im Gottesdient drastisch reduziert wurde. Im 19. Jahrhundert war französische Orgelmusik (auch solche für die Liturgie) in der Regel nicht an einen Choral gebunden. Im 20. Jahrhundert wendeten sich Organisten und Komponisten wie beispielsweise Charles Tournemire, der Lehrer von Jean Langlais, wieder vermehrt dem gregorianischen Gesang zu. Für jeden Satz seiner „Orgelmesse“ wählt Langlais mindestens einen liturgischen Gesang als Grundlage und verbindet archaische Elemente, die an die frühe mittelalterliche Polyphonie erinnern mit einer modernen, zum Teil recht dissonanten Tonsprache.

Neben den Kathedralen und Klöstern entwickelten sich im Mittelalter auch Königs- und Fürstenhöfe sowie reiche Städte zu wichtigen Kulturzentren im damaligen Europa. Während in Kirchen vor allem Vokalpolyphonie gepflegt wurde, erfreute sich in weltlichen Kreisen auch die Instrumentalmusik einer immer grösseren Beliebtheit. In dieser Zeit waren die musikalischen Ensembles in ALTA und BASSA aufgeteilt, erstere mit den lauten Instrumenten (Schalmei, Pommer und Zugtrompete), letztere mit den intimeren Kombinationen aus Stimmen, Lauten, Fideln und Harfen. Die ALTA CAPELLA spielte eine zentrale Rolle in der Gesellschaft: jeder Monarch, Fürst oder freie Stadt beschäftigte eine solche Gruppe. Für sie war es der beste Weg, Musik und Unterhaltung bereitzustellen, zu gesellschaftlichen Anlässen im Freien oder zum Tanz in grossen Räumen.

Die Ensembles entwickelten sich in Anlehnung an türkische und arabische Gruppen von Schalmeien, Trompeten und Trommeln, wie sie im frühen Mittelalter sowohl in kriegerischen Auseinandersetzungen als auch im friedlichen Aufeinandertreffen der Kulturen zu hören waren. Ab dem 14. Jahrhundert waren solche Gruppen auch im gesamten westlichen Europa etabliert. Die kleinen arabischen Schalmeien hatten sich zu den zwei unterschiedlich grossen Instrumenten Schalmei und Pommer entwickelt, welche die Cantus und Tenor Partien des typischen dreistimmigen Repertoires des 14. und frühen 15. Jahrhunderts übernahmen. Die Contratenor-Stimme wurde von der Zugtrompete (und später der Posaune) gespielt.

Da diese Musikinstrumente für eine lange Zeit aus der Praxis verschwunden waren und die Musik zum grossen Teil nur unvollständig notiert wurde, bedarf es heutzutage nicht nur einer Faszination, sondern auch einer minutiösen Forschungsarbeit, um ihren Klang wieder zu beleben. Dieser Arbeit widmen sich auch die Absolventinnen und Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis, die das Ensemble Alta Bellezza gegründet haben, um die musikalischen Schätze des Mittelalters und der Frührenaissance wieder hörbar zu machen.

Zu den Aufführenden

Das Ensemble ALTA BELLEZZA ist nach einem Chanson von Guillaume Dufay benannt, den man in Oxford, Bodleian Library Manuskript 213 findet, einer der Hauptquellen für das Repertoire des frühen 15. Jahrhunderts.

Hanna Geisel

Hanna Geiselist Spezialistin für historische Doppelrohrblattinstrumente. Ihre Studien führten sie an die HfM Weimar und nach Basel an die Schola Cantorum Basiliensis, wo sie sowohl barocke und klassische Oboen, als auch frühere Instrumente wie Pommer und Schalmei studierte.

Als vielseitige Musikerin ist Hanna regelmässig bei Konzerten, Opern-, Radio- und CD-Produktionen in ganz Europa beteiligt. Sie spielte in zahlreichen Barockorchestern wie z.B. dem Freiburger Barockorchester, bei den Bachkantaten in der Basler Predigerkirche, La Cetra Barockorchester Basel, Capriccio Basel, St. Galler Bachstiftung, La Stagione, L’Arpa Festante, cantus firmus consort, Elbipolis oder Barrocada, sowie mit Mittelalter- und Renaissanceensembles wie Les Haulz et les Bas, I Fedeli, Candens Lilium, RenaiDanse, Cantar Lontano, ReRenaissance u.a.

Ein besonderer Fokus liegt ausserdem auf der Entwicklung eigener Ensembles und Produktionen. So bringt sie u.a. seit 2014 mit dem von ihr mitgegründeten Mittelalter- und Renaissanceensemble Alta Bellezza das Repertoire des 14., 15. und 16. Jahrhunderts zum Klingen. Mit der von ihr geleiteten Formation Piquet Jouette erkundigt Hanna gerne die Musik des Barocks jenseits der ausgetretenen Pfade. Darüber hinaus engagiert sie sich für das Kulturleben ihrer Wahlheimat Freiburg als Organisatorin der Kreuzgangkonzerte im Kreuzgang von St. Martin.

Ann Allen

Ann Allenursprünglich aus London, Grossbritannien, studierte Musikwissenschaft in Manchester University und Barockoboe an der Royal Academy of London. Sie setzte ihre Studien an der Schola Cantorum Basiliensis auf der Schalmei fort und  studierte Musik aus Mittelalter, Renaissance und Barock. Sie liebt das Experimentieren mit Neuer Musik, improvisierter und elektronischer Musik und Fusion Projekte. Sie lebt als freiberufliche Musikerin in Basel und spielt in ganz Europa. Sie leitet ihr eigenes Tanzensemble "Dança Amorosa", das die Originalchoreographien des Mittelalters und der Renaissance wieder sichtbar macht. Auch als Regisseurin verschiedener Barockopern hat sie in letzter Zeit auf sich aufmerksam gemacht. Sie leitet die Agentur 'morethanmusic', mit der sie das Basler Crossover Festival Nox illuminata initiiert hat, das jährlich stattfindet.

Adam Bregman

Adam Bregmanspielt historische Posaunen aus allen Epochen. Er ist ein aktives Mitglied von Capella Helvetica (Schweiz) und Ciaramella (Los Angeles) und tritt regelmäßig mit europäischen und amerikanischen Ensembles sowie Oltremontano (Belgien), Piffaro, the Renaissance Band (Philadelphia) und dem Huelgas Ensemble (Belgien) auf. Als Pädagoge für historische Blechblasinstrumente und Aufführungspraxis der Alten Musik ist er seit 2013 Mitorganisator von ala pifarescha: Early Double Reed and Brass Workshop (Indiana, USA) und unterrichtet seit 2017 für die San Francisco Early Music Society, wo er Mitdirektor des Medieval and Renaissance Summer Workshop ist. Adam promovierte in historischer Musikwissenschaft an der University of Southern California. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören eine Zusammenarbeit an einer Faksimile-Edition und Studie zu Margarete von Österreichs Basse danse-Manuskript (Alamire, 2022) sowie „The Hermaphroditic Nature of the Mi-Fa Complex“ („Die zweigeschlechtige Natur des Komplexes Mi-Fa“), ein Kapitel in der Sammlung Explorations in Music and Esotericism („Forschungen in Musik und Esoterik“, herausgegeben von Boydell & Brewer, 2023).

Ekaterina Kofanova

Ekaterina Kofanova ist Titularorganistin an der Peterskirche Basel und künstlerische Leiterin des Orgelvereins St. Peter. Als Organistin übt sie eine rege Konzerttätigkeit in der Schweiz, in Deutschland sowie anderen europäischen Ländern aus. Nebst dem breitgefächerten solistischen Repertoire, das sich von alter bis zu zeitgenössischer Musik erstreckt, gilt ihr besonderes Interesse der Kammermusik in verschiedenen Formationen. Zu ihren weiteren Schwerpunkten zählen Chorleitung und Orgelausbildung.
Ekaterina Kofanova studierte Orgel und promovierte in Musikwissenschaft am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau und erhielt anschliessend einen Lehrauftrag für Musikgeschichte und Orgel an der Musikakademie in ihrer Heimatstadt Minsk sowie eine Stelle als Organistin an der Belarussischen Staatlichen Philharmonie. Ihre Begeisterung für Orgelmusik und die Suche nach neuen künstlerischen Impulsen führten Ekaterina Kofanova nach Heidelberg für ein weiterführendes Orgelstudium bei Prof. Martin Sander. An der dortigen Hochschule für Kirchenmusik schloss sie ihr Solistendiplom mit Auszeichnung ab und absolvierte ihr kirchenmusikalisches Studium (A-Diplom). Ekaterina Kofanova nahm an Meisterkursen namhafter Interpreten teil und erhielt Auszeichnungen bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben.

Eintritt frei, Kollekte

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