Verein Orgelmusik St. Peter

Konzerte 2015

25. Mai 2015, 19:30 Uhr

Pfingstkonzert

 

29. Juni 2015, 19:30 Uhr

Orgel und Streichquartett

 

27. Juli 2015, 19:30 Uhr

J.S. Bachs Lehrer

 

22. August 2015, ganzer Tag

Orgelreise 2015 nach St. Gallen

 

28. September 2015, 19:30 Uhr

Orgel und Tenor

 

19. Oktober 2015, 19:30 Uhr

Stylus phantasticus

 

7. November 2015

Orgelkonzert für Kinder

 

8. November 2015

Orgelkonzert für Kinder

Die Orgel im Dialog mit „Stylus phantasticus“

Konzert

Montag, 19. Oktober 2015, 19:30 Uhr

Dominik Hennig, Orgel
Mojca Gal, Violine
Sam Chapman, Theorbe
auf den Spuren des „Stylus phantasticus“

Eindrücke vom Konzert

Konzertprogramm

Girolamo Frescobaldi
1583 – 1643

Toccata sesta für Orgel aus «Il secondo libro di Toccate»

Agostino Guerrieri
ca. 1630 – ca. 1684

Sonata a 2 «La Lucina» für Violine und Basso continuo

Johann Heinrich Schmelzer
1623 – 1680 zugeordnet

Sonata sexta für Violine und Basso continuo aus «Sonatae unarum fidium“

Georg Muffat
1653 – 1704

Toccata duodecima e ultima für Orgel
aus dem “Apparatus musico-organisticus”

Johannes H. Kapsberger
1580 – 1651

Toccata G-Dur für Theorbe und Orgel

Johann Jakob Walther
1650 – 1717

Serenata Nr. 28 für Violine und Basso continuo
aus Hortulus Chelicusl

Jan Ignác František Vojta
ca. 1660 – 1725

Sonata für Violine und Basso continuo

Nicolaus Bruhns
1665—1697

Praeludium G-Dur für Orgel)

Konzertinformationen
„Eher Frechheit“

Der Komponist Johann Joachim Quantz (1697-1773) hielt nicht viel davon: „In diesem Stil findet man eher Frechheit und verworrene Gedanken, als Bescheidenheit, Vernunft und Ordnung.“ Komplett gegenteiliger Ansicht war da der Universalgelehrte Athanasius Kircher, der die neue Musikrichtung 1650 beschrieb als eine: „freie Art der Instrumentalmusik, die nicht an Worte oder einen Cantus firmus gebunden ist, die dem Komponisten weite Entfaltungsmöglichkeiten gibt und Gelegenheit an die Grenzen seiner Kunst zu gehen.“
Die Rede ist vom Stylus phantasticus (auch Fantastischer Stil), einer aus Italien stammenden Stilrichtung. Deren Anfänge gehen auf Claudio Merulo (1533 – 1604) zurück, sie erreichte in der norddeutschen Orgelschule des späten 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Die Musik zeichnet sich durch ein improvisatorisch dramatisches Spiel aus, bei dem kurze, unterschiedliche und teilweise bizarre Figuren und rasende Läufe auf originelle Weise miteinander verknüpft werden.

„Nicht einem strengen Takt folgen“

Dominik Hennig und sein Ensemble bringen mit ihrem Programm verschiedene Ausprägungen des Stylus phantasticus zur Geltung und zeigen, wie er sich in verschiedenen geografischen Regionen entfaltet hat. Girolamo Frescobaldis Toccaten etwa bestehen aus einer Folge unterschiedlicher Abschnitte. Um ihrem Reichtum an Affekten gerecht zu werden, fordert Frescobaldi im Vorwort zu seinem ersten Buch der Toccaten, der Spieler solle nicht einem strengen Takt folgen, sondern mal schnell, mal langsam spielen oder gar innehalten; genauso wie es bei den modernen Madrigalen üblich sei.

„Verstimmbte Geige“

In Österreich und Süddeutschland hat sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in der Geigenmusik ein besonderer, virtuoser Stil entwickelt. Typisch dafür ist das Experimentieren mit den klanglichen Möglichkeiten des Instruments, was sich in Kompositionen mit speziellen Effekten oder Klangimitationen zeigt. Zahlreiche Stücke sind geschrieben für skordierte oder „verstimmbte“ Geige, d.h. die Saiten der Violine müssen anders gestimmt werden. Johann Heinrich Schmelzer und Heinrich Ignaz Franz Biber waren die wichtigsten Vertreter dieses Stiles, zum Teil haben sie auch Ideen von einander ausgeliehen. So ist beispielsweise die Sonate „Türkenschlacht“ (1683) von Schmelzer beinahe identisch mit der Kreuzigungssonate von Biber (aus den Rosenkranzsonaten (1679 – 1685).
Georg Muffat stammte aus Savoyen, erlangte seine Ausbildung in Paris sowie anlässlich einer längeren Italienreise und wirkte im österreichisch-süddeutschen Raum. Er pflegte Bekanntschaften mit führenden Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit wie Pasquini und Corelli. Ob Muffat auch persönlichen Kontakt zu Lully hatte, ist nicht sicher. Fest steht aber, dass er Verfasser einer der wichtigsten Quellen über die Spielweise der „Lullysten“ ist. Muffats Bestreben war es stets, in seinem kompositorischen Schaffen französische und italienische Stilelemente zu vereinigen.

Tiere imitieren

Johann Jakob Walther gilt als einer der bedeutendsten deutschen Violinisten des 17. Jahrhunderts. Zu jener Zeit war es unter Geigenvirtuosen sehr beliebt, Tiere oder Instrumente zu imitieren – damit konnten sie auf humorvolle Weise ihre Virtuosität und ihre erfinderische Fantasie zeigen. Ihre Effekte haben sie oft als strenge Geheimnisse gehütet, damit ihre Konkurrenten sie nicht nachahmen konnten. Im Vorwort zu seinem Hortulus chelicus erklärt Walther, dass er hier ohne Angst veröffentliche, was manche Zeitgenossen egoistisch für sich behielten. So finden sich in der Serenata Nr. 28 Abschnittsbezeichnungen wie „Chitarrino“ (Cister), „Timpani“ (Pauke), „Tromba“ (Trompete), „Harpa smorzata“ (gedämpfte Harfe), „Piva“ (Dudelsack) oder „Lira Todesca“ (Deutsche Leier).
Die Sonata I des böhmischen Geigers und Komponisten Jan Ignác František Vojtas ist geschrieben für skordierte Violine, die Saiten müssen auf h–fis–h–e statt g–d–a–e gestimmt werden. Dies ist von Bedeutung für das Spielen von Doppelgriffen und Akkorden in einer bestimmten Tonart und bringt aufgrund der veränderten Stimmung des Instruments andere Resonanzen und Klangfarben hervor. Vojtas Sonatenzyklus ist in vielem vergleichbar mit den Rosenkranzsonaten von Biber.

Nicolaus Bruhns G-Dur-Praeludium schliesslich ist – wie viele andere norddeutsche Präludien ¬– fünfteilig aufgebaut. Zwei wohlgeordnete Fugen sind umgeben von drei freien Teilen, die unter anderem geprägt sind von mehrfachen Wechseln auf rhythmischer Ebene, von wirkungsvollen Pedal-Solis oder von besonderen Effekten wie zum Beispiel abruptem Abreissen oder unerwarteten Wendungen.

UG/Mojca Gal/Dominik Hennig

Über die Musizierenden
Mojca Gal, Violine

MGalMojca Gal (*1985, Ljubljana) studierte Violine an der Akademie für Musik in Ljubljana in der Klasse von Primoz Novsak (Abschluss 2008 mit Auszeichnung) sowie an der Hochschule der Künste Bern (Abschluss 2011). Von 2011 bis 2013 absolvierte Mojca Gal an der Schola Cantorum Basiliensis in der Klasse von Amandine Beyer den Studiengang „Master in Music Performance“ mit dem Hauptfach „Violine in der Alten Mensur“. Mojca Gal spielt in den Ensembles Arabesque, Académie Bach d’Aix, Musica Fiorita, Il Dolcimelo, und in Kammerorchestern wie Concerto poetico, Allegria musicale und Camerata Bern (Schweiz).

Sam Chapman, Theorbe

SChapmanSam Chapman wuchs in Südwest-England auf. Er studierte historische Zupfinstrumente bei E. Kenny an der Royal Academy of Music (London) und bei H. Smith an der Schola Cantorum Basiliensis. 2012 schloss er zusätzlich einen Master in „Generalbass“ bei J. Christensen ab. Sam Chapman hat bei zahlreichen Festivals für Alte Musik gespielt und bei mehren CD-Produktionen mitgewirkt. Mit seinem Ensemble „The Queen's Revels” bringt er Konsortmusik der englischen Spätrenaissance auf die heutige Konzertbühne.

Dominik Hennig, Orgel

DHennigDominik Hennig (*1986, Basel) studierte Orgel bei Emmanuel Le Divellec an der Hochschule der Künste Bern. Den Master of Arts in Music Performance schloss er im Sommer 2010 mit Auszeichnung ab. Anschliessend an sein Orgelstudium absolvierte Dominik Hennig an der Schola Cantorum Basiliensis den Master-Studiengang „Theorie der Alten Musik“, den er im Januar 2013 abschloss. Seit Juni 2010 hat Dominik Hennig die Organistenstelle der ref. Kirchgemeinde Ittigen (BE) inne.

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