Verein Orgelmusik St. Peter

Konzerte 2015

25. Mai 2015, 19:30 Uhr

Pfingstkonzert

 

29. Juni 2015, 19:30 Uhr

Orgel und Streichquartett

 

27. Juli 2015, 19:30 Uhr

J.S. Bachs Lehrer

 

22. August 2015, ganzer Tag

Orgelreise 2015 nach St. Gallen

 

28. September 2015, 19:30 Uhr

Orgel und Tenor

 

19. Oktober 2015, 19:30 Uhr

Stylus phantasticus

 

7. November 2015

Orgelkonzert für Kinder

 

8. November 2015

Orgelkonzert für Kinder

Die Orgel im Dialog mit dem Tenor

Konzert

Montag, 28. September 2015, 19:30 Uhr

Klaus Rothaupt, Orgel
Daniel Behle, Tenor
Anne-Catherine Heinzmann, Flöte
Andrea Bischof, Cello
Werke von J.S. Bach

Eindrücke vom Konzert

Konzertprogramm

Johann Sebastian Bach
1685-1750

Präludium und Fuge D-Dur BWV 532

Arie „Ermuntre dich“ aus der Kantate BWV 180 „Schmücke dich, o liebe Seele“

Orgelchoral „An Wasserflüssen Babylon“ BWV 653

Arie „Wo wird in diesem Jammertale“ aus der Kantate BWV 114 „Ach, liebe Christen, seid getrost“

Aus den Schübler Orgelchorälen:

„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ BWV 647

„Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter“ BWV 650

Arie „Lass o Fürst der Cherubinen“ aus Kantate BWV 130 „Herr Gott, dich loben alle wir“

Vivace aus Triosonate für Orgel Nr. VI G-Dur BWV 530

Arie „Geduld! Wenn mich falsche Zungen stechen“ aus der Matthäus-Passion BWV244

„Benedictus“ aus der h-Moll-Messe BWV 232

Passacaglia c-Moll BWV 582

Konzertinformationen
J.S. Bach als „Opernkomponist“

Johann Sebastian Bach, von Hauptberuf Thomaskantor in Leipzig, hatte mit Opern nichts am Hut, so die vorherrschende Meinung. Können wir uns da so sicher sein? Immerhin soll Vater Bach sich zusammen mit seinem ältesten Sohn JSBachCarl Philipp Emanuel in Dresden Opern von Johann Adolph Hasse angehört haben. Und dass J.S. Bach keine Opern schrieb, könnte einfach daran liegen, dass er dafür keinen Auftrag erhalten hat. Das bürgerliche Opernhaus von Leipzig musste ja zu Bachs Lebzeiten wegen Baufälligkeit abgerissen werden, und weshalb sollte beispielsweise die Dresdener Bühne dem im Opernfach unbewanderten Thomaskantor einen Kompositionsauftrag geben?

Andererseits wurde Bach schon von Zeitgenossen vorgeworfen, seine Kantaten seien im Grunde verkappte Opern mit Arien und Rezitativen. Das mag insbesondere für die weltlichen Kantaten zutreffen, aber auch Bachs kirchliches Schaffen birgt zuweilen viel dramatisches Potential in opernmässigem Stil. So wird ja beispielsweise die Johannespassion beinahe schon regelmässig szenisch als „geistliche Oper“ wiedergegeben.

J.S. Bach hat also zwar keine Opern im engeren Sinn geschrieben, dafür aber in seinem geistlichen Werk durchaus seinem Hang zu Dramatik nachgelebt und dem sonst der Bühne vorbehaltenen Belcanto gehuldigt. Einige der schönsten unter den Bachschen Belcanto-Arien wird der Tenor Daniel Behle in der Peterskirche zum Besten geben.

Zu Hören sein werden unter anderem Tenor-Arien aus vier kirchlichen Kantaten, die Bach allesamt im Jahre 1724 komponiert hat. Gemeinsam ist diesen Werken, dass sie einen virtuosen Flötenpart enthalten. Diesen übernimmt in unserem Konzert Anne-Catherine Heinzmann, und Andrea Bischof spielt mit ihrem Cello zeitweise auch die Fagott-Stimme.Kantate

Klaus Rothaupt schliesslich umrahmt die filigranen Arien mit einigen gewichtigen Bachschen Orgelkompositionen. Als Auftakt spielt Rothaupt das Präludium und Fuge D-Dur (BWV 532), das wahrscheinlich 1710 in Weimar entstanden ist, wie viele andere Orgelwerke auch. Herzog Wilhelm Ernst war ein grosser Fan der Orgelmusik und unterstützte seinen Hof-Organisten tatkräftig in dessen Bemühungen, Weimar als Zentrum der Orgelmusik auf die Landkarte zu setzen. Vermutlich noch früher, nämlich noch in Arnstadt (nach Bachs Rückkehr von seinem Besuch bei Buxtehude in Lübeck), wurde die Passacaglia c-Moll komponiert. Es ist wohl eines der bekanntesten Orgelwerke Bachs, hatte jedenfalls Vorbild-Funktion für viele Passacaglien des 19. und 20. Jahrhunderts.

Bach war auch nur ein Mensch...

Mit seinem farbenreichen Tenor hat Daniel Behle sehr schnell bedeutende Opernbühnen erobert, auf denen er ein äusserst vielseitiges Repertoire pflegt. Bekannt wurde er aber besonders auf dem Konzertpodium: Seine Liederabende seien schon jetzt legendär, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Seine programmatische Wandlungsfähigkeit ist enorm, wie auch die Einspielung der CD mit Bach-Arien zeigt (Sony 3041286). Im Gespräch mit Christian Schmidt/Concerti erläutert Behle, was ihn – nach seinen zahlreichen Erfolgen auf Opernbühnen und Konzertpodien – an Johann Sebastian Bach und dessen Arien derart fasziniert. „Die Werke von Bach sind mir ein Anliegen“ sagt Behle. „Im Laufe meines Studiums haben mich seine vielen Kantaten begleitet. Letztlich sind es ja oftmals nur die grossen Passionen und Chorwerke, die immer wieder auf den Programmen stehen. In Frankfurt traf ich meine alte Schulfreundin Anne-Cathérine Heinzmann wieder, die im Museumsorchester Flötistin ist. Und da sie zu der Zeit sowieso mit dem Gedanken spielte, Werke von Bach aufzunehmen, kamen wir recht schnell auf die Idee, diese CD zusammen zu machen. Bach hat ja 1724 den französischen Flötisten Pierre-Gabriel Buffardin getroffen, der Mitglied in der Dresdner Hofkapelle war. Möglicherweise hat er ihm den Flötenpart in den Kantaten dieses Jahres auf den Leib geschrieben. Mit diesem Material, das in Bachs ersten Jahren als Thomaskantor entstand, wollten wir eine authentische Geschichte erzählen."

Wie geht diese Geschichte? „Sie ist ein Wechselgesang zwischen Mensch und Engel, der sich in diesen Kantaten im Dialog von Stimme und Flöte äussert. Dabei geht es immer um die Frage, wie ein Mensch leben kann, zwischen Erde und
Himmel, himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt. Angefangen bei der Freude über die Geburt des Herrschers bis zur Erkenntnis seiner erlösenden Wirkungsmacht. Das Leben als ein rauschendes Wasser, das schnell dahinschiesst, wie es in der Kantate „Ach wie flüchtig“ heisst. Grundthema ist dabei das Zweifeln des unvollkommenen, auch unsicheren Menschen. Glauben ist ja zweifeln.“

... er ass gerne Schweinsbraten

Was mich an Bach besonders fasziniert? „Sagen wir so: Mich hat das Bonmot beeindruckt, dass auch Bach gern Schweinsbraten gegessen hat.“ Ist das nicht banal? „Nein, das heisst nur, dass Bach auch ein Mensch war. Mit allem, was dazu gehört. Für mich bedeutet es aber auch, dass Bach seinen Glauben fest mit der Erde verband. Er sagt: ‚Mit aller Musik soll Gott geehrt und der Mensch erfreut werden.’ Und nach meiner Überzeugung greift deshalb die Rezeption Bachs als reiner Kirchenmusiker zu kurz. Für mich stehen seine grandiosen Kompositionen im Vordergrund. Kunstwerke, von Menschenhand gemacht. Daraus erwächst für mich erst der theologische Hintergrund.“

Über die Musizierenden
Daniel Behle, Tenor

BehleDaniel Behle ist einer der vielseitigsten deutschen Tenöre und in Konzert, Lied und Oper gleichermassen erfolgreich. Sein breit gefächertes Repertoire reicht von barocken Meisterwerken über klassische und romantische Musik bis hin zu
Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts. 2014 gab er bei den Salzburger Osterfestspielen unter der Leitung von Christian Thielemann sein umjubeltes Rollendebüt als Matteo in Strauss‘ „Arabella“ und wurde daraufhin für die Bayreuther Festspiele 2017 als David in einer Neuproduktion „Die Meistersinger von Nürnberg“ engagiert. Im Sommer 2015 gastierte er als Belmonte („Die Entführung aus dem Serail“) erneut in Aix en Provence, und im Herbst wird er an der Oper Frankfurt mit Erik in „Der fliegende Holländer“ erstmals eine Wagner Partie gestalten. Als Liedsänger fasziniert Daniel Behle seine Zuhörer auch auf CD-Einspielungen. So etwa mit seiner Aufnahme von Bach-Arien sowie seiner Transskription von Schuberts „Winterreise“, die er im Sommer 2013 zusammen mit dem Oliver Schnyder Trio uraufführte. Jan Brachmann schrieb in der „Opernwelt“ vom November 2014: „Den Tenor Daniel Behle kann man schon jetzt [...] zu den Grossen des Fachs zählen.“

Klaus Rothaupt, Orgel

RothauptKlaus Rothaupt studierte Schul- und Kirchenmusik sowie Musikwissenschaften an der Musikhochschule Stuttgart. Ein zweijähriger Studienaufenthalt als Stipendiat in Paris schloss sich an. Dort hatte er Unterricht bei Marie-Claire Alain und Kenneth Gilbert. Der Abschluss erfolgte in Paris mit dem “Premier Prix à l’unanimité”. Rothaupt war als Dozent für Orgel an der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen tätig und ist seit 1994 Kantor der Göppinger Stadtkirche und der Oberhofenkirche, sowie künstlerischer Leiter der Göppinger Kantorei. Klaus Rothaupt ist Mitglied im Bach - Collegium der Internationalen Bachakademie Stuttgart und Dozent bei Bachakademien in Caracas, Krakau und Oregon.

Anne-Cathérine Heinzmann, Flöte

HeinzmannAnne-Cathérine Heinzmann war in den letzten Jahren auf zahlreichen Konzertpodien und internationalen Festivals zu Gast und zählt inzwischen zu den renommiertesten deutschen Flötistinnen ihrer Generation. Als Solistin, Kammer- und Orchestermusikerin tritt sie regelmässig in Deutschland und weltweit auf. Sie wurde von Prof. Jean-Claude Gérard (Stuttgart), Prof. Jeanne Baxtresser (New York) und von Prof. Michael-Martin Kofler (Salzburg) ausgebildet. Wichtige Impulse erhielt sie ausserdem von Aurèle Nicolet und Paul Meisen. Anne-Cathérine Heinzmann ist seit 1999 stellvertretende Soloflötistin am Opern- und Museumsorchester Frankfurt am Main.

Andrea Bischof, Violoncello

Andrea kAndrea Bischof schloss ihr Studium in Basel bei Thomas Demenga mit dem Lehrdiplom mit kammermusikalischem Schwerpunkt ab. Nach dem Studiengang “Interpretation/Performance” erlangt sie am Conservatorio della Svizzera Italiana bei Robert Cohen das Konzertdiplom. Andrea Bischof Gründungs-Mitglied des Sonos-Ensembles und konzertiert auch regelmässig mit dem italienischen Pianisten Tonino Riolo.

Eintritt frei, Kollekte

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