Verein Orgelmusik St. Peter

Konzerte 2018


16. April 2018, 19:30 Uhr

Norddeutsche Orgelkunst

 

21. Mai 2018, 19:30 Uhr

Orgel und Harmonium

 

18. Juni 2018, 19:30 Uhr

Orgel mit Kantate

 

1. Juli 2018, 17:00 Uhr

Extrakonzert: Bach und Alain

 

16. Juli 2018, 19:30 Uhr

Bach und Mendelssohn

 

13. August 2018, 19:30 Uhr

Improvisation und Komposition

 

24. September 2018, 19:30 Uhr

Orgel mit Blockflöte

 

9. Dezember 2018, 17:00 Uhr

Extrakonzert: Weihnachtslieder

 

 Die Konzerte werden unterstützt durch:

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Gefördert durch die Willy A. und Hedwig
Bachofen-Henn-Stiftung, Basel

Orgel im Dialog zwischen Improvisation und Komposition

Konzert

Montag, 13. August 2018, 19:30 Uhr

David Franke (Freiburg i. Breisgau), Orgel

Werke von Franke, Sweelinck, JS Bach, Müthel, Heiller

Eindrücke vom Konzert

Konzertprogramm

David Franke
*1980

Toccata (Improvisation)

Jan Pieterszoon Sweelinck
1562 – 1621

Variationen über
„Mein junges Leben hat ein End“

David Franke

Suite francaise
(Improvisation)

Johann Sebastian Bach
1685 – 1750

Fantasie G-Dur BWV 572
Très vitement – gravement – lentement

David Franke

Triosonate (Improvisation)
Allegro – Adagio – Allegro

Johann Gottfried Müthel
1728 – 1788

Fantasie G-Dur

Anton Heiller
1923 – 1979

Tanztoccata (1970)

David Franke

Tryptique (Improvisation)

Konzertinformationen

Das Progamm von David Franke steht unter dem Motto „Die Orgel im Dialog zwischen Improvisation und Komposition“.

Dabei wird die spannende Wechselwirkung zwischen der Improvisation, dem freien und spontanen Erschaffen von Musik aus dem Moment heraus, und der Orgelkomposition beleuchtet: Über Jahrhundertewar die Improvisation die wesentliche Musizierpraxis beim Orgelspiel. Sie war Triebfeder und Inspirationsquelle für die Entwicklung von Orgelmusik, für Orgelkomponisten bestand oft ein lebendiger Zusammenhang zwischen dem, was sie improvisierten und niederschrieben. Erst in jüngerer Zeit ist diese enge Verbindung mehr und mehrverlorengegangen und hat die Intepretationder Improvisation in der Praxis „den Vorrang abgelaufen“. Dennoch: Kirchenmusik ist heute - neben dem Jazz - der Bereich, in dem die Kunst der Improvisation weiterhin am ausgiebigsten gepflegt (und gebraucht!) wird.

Das Konzertprogramm führt uns dabei durch verschiedene europäische Orgelstile, Formen und Epochen und zeigt wechselseitige Bezüge zwischen diesen auf.
Nach einer improvisierten Toccata, die sich am norddeutschen Stylus phantasticus, dem freien, improvisatorischen Orgelstil Norddeutschlandsim 17. Jahrhundert, orientieren soll, erklingen Variationen über „Mein junges Leben hat ein End’“ von Jan Pieterszoon Sweelinck. Sweelinck war Organist der Amsterdamer Oude Kerk und wurde als „Hamburger Organistenmacher“ bezeichnet, weil viele norddeutsche Orgelkomponisten bei ihm in die Lehre gingen. Anders als es der Titel vielleicht vermuten lässt, vermitteln Sweelincks Variationen einen freudvoll-zuversichtlichen Eindruck. Sie waren weniger für die Aufführung in einer Kirche gedacht, verbannte die reformierte Tradition in Holland Musik doch weitgehend aus dem Gottesdienst. Eher ist an eine Darbietung im Rahmen der häuslichen Andacht am Positiv zu denken. Das motivische Geschehen steigert sich von Variation zu Variation, was neben virtuosen Läufen und Spielfiguren den improvisatorischen Gestus der Musik unterstreicht.

Auch bei Nicolas de Grignys „Ave maris stella“ handelt es sich um Variationen, diesmal nach Art einer Suite française. Sie entstammen seinem „Premier Livre d’Orgue“ (1699) und erklingen im Konzertprogramm mit Blick auf das bevorstehende Fest Mariä Himmelfahrt (15. August). De Grignys Suite über den Marienhymnus (deutsch: „Meerstern, sei gegrüßt“) lässt die typische Klangwelt barocker französischer Orgelmusik hörbar werden: Die Komposition eröffnet mit einem „Plain chant“, einem Satz im opulenten Klang des Mixturenplenums, zu dem der Cantus fimus (die Liedmelodie) in langen Notenwerten, gespielt mit dem Zungenklang des Pedals, hinzutritt. Nach den kammermusikalischen registrierten Sätzen „Fugue à 4“ und „Duo“ wird die Suite mit einem großen Dialog im „Grand Jeu“, dem Zungenplenum der Orgel, festlich abgeschlossen, wobei Echo-Effekte die dramatische Schlusswirkung nur noch steigern. Entsprechende Satztypen in vielen französischen Orgelmessen (auch in de Grignys „Premier Livre d’Orgue“) zeigen, dass auf solche Weise in der Liturgie Frankreichs gespielt und improvisiert wurde.

Johann Sebastian Bachs Fantasie G-Dur BWV 572 trägt auch den Titel „Pièce d’Orgue“, und das nicht ohne Grund, sind doch in diesem Stück starke Anklänge an die französische Musik zur Zeit Johann Sebastian Bachs hörbar.
Die in Bachs Oeuvre einmalige Komposition hat drei Teile: Der erste eröffnet einstimmig in virtuoser Bewegung, bevor ein äußerst prächtiger, polyphon gehaltener fünfstimmiger Mittelteil in Art eines französischen Plein Jeu einsetzt und schließich ein dritter Teil Manual-Arpeggien über einem chromatisch zum Dominant-Orgelpunkt hin absteigenden Ostinato-Bass das Stück auf besondere Weise abschließt.

Dreiteilig ist auch die nächste Improvisation nach Art einer barocken Triosonate. Bei dieser - nunmehr aus der italienischen Musik stammenden und von Johann Sebastian Bach für Pedalcembalo bzw.Orgel applikierten - Form spielt der Organist sozusagen drei eigenständige Instrumente zugleich. - Keine leichte Aufgabe, die jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung ist!

Johann Gottfried Müthel war letzter Schüler Johann Sebastian Bachs: Nur noch drei Monate konnte er seinen Unterricht genießen, bevor Bach starb. Vielleicht ist es diesem Umstand zu verdanken, dass Müthel in seiner Musik - im Gegensatz zu manch anderem Bach-Schüler - keinesfalls dem übermächtigen Bachschen Vorbild epigonenhaft erlag, sondern seinen ganz unverwechselbaren, geradezu improvisatorisch freien Stil fand. Müthels Fantasie G-Dur ist von ähnlich strahlendem Charakter wie die im Programm erklungene Fantasie Bachs in gleicher Tonart, geht aber in ihrem impulsiven Gestus, in raffinierten Echo-Wirkungen und galanten Wendungen ganz andere musikalische Wege.

Der Wiener Organist Anton Heiller war als Interpret, Improvisator, Komponist und Pädagoge einer der prägenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine „Tanztoccata“ kombiniert aparte neobarocke Klänge mit Elementen des Jazz. Das Stück ist rasant, wirkt aber nie unbeherrscht rasend. Geschrieben wurde es 1970 für die Internationale Orgelwoche Nürnberg, die unter dem Titel „Tanz und Orgel“ stand. Ein Großteil des Stücks steht in der Ganzton-Halbtonskala, die von Jazzmusikern häufig beim Improvisieren benutzt wird. - Erneut zeigt sich hier die Nähe der Gattung „Toccata“ zur Improvisation, bevor das Konzert schließlich mit einem improvisierten Tryptique David Frankes ausklingt.

(Text: David Franke)

Über den Interpreten
David Franke

Frankegeboren 1980 in Freiberg/Sachsen, studierte Kirchenmusik, Orgel und Orgelimprovisation in Stuttgart, Kopenhagen und Berlin. Seit 2008 ist er Organist der Hildebrandtorgel (1746) an St. Wenzel Naumburg, einer der weltweit wichtigsten Denkmalorgeln, an deren Konzeption und Abnahme Johann Sebastian Bach beteiligt war.
David Franke ist Preisträger mehrerer hochrangiger Wettbewerbe. So gewann er zuletzt 2008 den Publikumspreis beim Internationalen Orgelimprovisationswettbewerb in Haarlem (Niederlande) und war im selben Jahr erster deutscher Gewinner des legendären Grand Prix d'Improvisation (1. Preis) beim Internationalen Orgelwettbewerb „Grand Prix de Chartres“ (Frankreich) - ein Preis, der zuvor 12 Jahre lang nicht vergeben wurde.
Seit 2009 unterrichtet David Franke als Dozent an der Musikhochschule Stuttgart eine internationale Klasse im Hauptfach Orgelimprovisation. Daneben gibt er Meisterkurse für Interpretation und Improvisation im In- und Ausland und ist Jurymitglied bei Wettbewerben.
Konzerte und Vorträge führen ihn regelmässig an bedeutende Kirchen und Konzerthäuser sowie zu renommierten Orgelfestivals in ganz Europa (z.B. Kathedralen von Chartres, Orléans, Bourges, Strasbourg, Laon sowie Ste Croix de Bordeaux (Frankreich), Mariinski Theater St. Petersburg (Russland), Internationales Orgelfestival Bergamo (Italien), ORF-Funkhaus Wien (Österreich), Artur Rubinstein Philharmonie Lodz (Polen), Grossmünster Zürich (Schweiz), Dom zu Aarhus (Dänemark), Orgelpark Amsterdam, St. Bavo Haarlem (Niederlande), Internationale Orgelwoche Nürnberg, Europäisches Musikfest Stuttgart, Bachfest Leipzig, Thomaskirche Leipzig, Gewandhaus Leipzig, Konzerthaus Berlin, Kölner Dom, Frauenkirche Dresden, Philharmonie Essen (Deutschland) u.a.). Aufnahmen für Fernsehen, Rundfunk und CD dokumentieren sein Wirken als Interpret und Improvisator.
Im Mai 2015 erschien David Frankes neue Improvisations-CD „Komm, Heiliger Geist – Orgelimprovisationen durchs Kirchenjahr in St. Wenzel Naumburg“ im Motette-Verlag (MOT CD 14021).

Eintritt frei, Kollekte

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