Verein Orgelmusik St. Peter

Konzerte 2018


16. April 2018, 19:30 Uhr

Norddeutsche Orgelkunst

 

21. Mai 2018, 19:30 Uhr

Orgel und Harmonium

 

18. Juni 2018, 19:30 Uhr

Orgel mit Kantate

 

1. Juli 2018, 17:00 Uhr

Extrakonzert: Bach und Alain

 

16. Juli 2018, 19:30 Uhr

Bach und Mendelssohn

 

13. August 2018, 19:30 Uhr

Improvisation und Komposition

 

24. September 2018, 19:30 Uhr

Orgel mit Blockflöte

 

9. Dezember 2018, 17:00 Uhr

Extrakonzert: Weihnachtslieder

 

 Die Konzerte werden unterstützt durch:

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Gefördert durch die Willy A. und Hedwig
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Orgel im Dialog mit Norddeutscher Orgelkunst

Konzert

Montag, 16. April 2018, 19:30 Uhr

Gerhard Löffler (Hamburg), Orgel

Werke von Buxtehude, Tunder, Bruhns, JS Bach

Eindrücke vom Konzert

Konzertprogramm

Dietrich Buxtehude
1637 – 1707

Toccata in F, BuxWV 156

Franz Tunder
1614 – 1667)

Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Choralfantasie

Dietrich Buxtehude
1637 – 1707

Canzona d-moll BuxWV 168

Nicolaus Bruhns
1665 – 1697

Praeludium in e

Johann Sebastian Bach
1685 – 1750

O Gott, du frommer Gott, Partita BWV 767

Fantasie und Fuge g-moll, BWV 542

Konzertinformationen

Dietrich Buxtehude wurde 1668 als Nachfolger Franz Tunders zum Organisten an St. Marien zu Lübeck berufen. Sein Ruf als Organist und Komponist war enorm. Über sein Organistenamt hinaus bekleidete er – wie bereits Tunder vor ihm – an St. Marien das Amt des «Werkmeisters», also des Leiters des kirchlichen Verwaltungs- und Rechnungswesens. Eine der wesentlichen Kompositionsformen der Norddeutschen Meister war die Toccata, ein vielgliedriger Werktypus, in dem fugierte Partien mit toccatischen Partien aus virtuosen Figurationen, breiten Akkordfolgen und rezitativischen Passagen alternierten. Ob diese Werke „Toccata“, „Praeludium“ oder auch „Praeambulum“ hiessen, war ohne Belang. Von Buxtehude sind etwa 25 solcher „Toccaten“ oder auch „Praeludien“ überliefert. Die Toccata F-Dur BuxWV 156 erscheint als vielfarbiges und vielgestaltiges Kaleidoskop fantasiereicher kurzer Episoden, die sich um zwei Fugen ranken.

Franz Tunder war der Vorgänger von Dietrich Buxtehude als Organist an St. Marien in Lübeck. Durch seine Orgel- und Vokalkompositionen, aber auch die Einrichtung der „Abendmusiken” als selbstständige Konzerte ausserhalb des Gottesdienstes legte er den Grundstein für die gewichtige Position Lübecks als ein Zentrum der Norddeutschen Orgelschule des 17. Jahrhunderts.
Das Hauptgewicht der Orgelkompositionen Tunders liegt auf seinen sieben grossen Choralfantasien, von denen diejenige über den Pfingstchoral „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott” besonders farbig und lebendig ist. Ein überbordender Reichtum der Erfindung steht Tunder zu Gebote: so hören wir fugierte Partien, chromatische, solche in raschen Bewegungen und solche in ruhigen – und nicht zuletzt nutzt Tunder die räumlichen und die Echowirkungen, die die norddeutsche Orgel durch ihre drei Manuale erlaubte. Die letzte Zeile des Chorals ( „Halleluja, Halleluja” ) formt Tunder zu einem grossen Schlussjubel und entfaltet über den abschliessenden Orgelpunkten eine mitreissende Virtuosität.

Die Canzona in d-moll BuxWV168 ist eine vierstimmige Fuge manualiter, mit einem ersten Abschnitt (Takte 1–29) im 4/4-Takt und einem zweiten (Takte 30–65) im 3/4-Takt, der auf dem Thema des ersten beruht. Der dritte (Takt 66 bis Schluss) kehrt zum 4/4-Takt zurück und beruht auf einem neuen Thema, das mit seiner Umkehrung beantwortet wird.
Nikolaus Bruhns war – nächst Buxtehude – der bedeutendste Meister der norddeutschen Orgelschule des 17. Jahrhunderts. Ausser fünf Orgelwerken sind von ihm nur verschiedene Kirchenkantaten erhalten, denn er starb jung, im Alter von noch nicht 32 Jahren. Das Präludium e-moll ist wohl sein bekanntestes Werk. In der Form folgt es den grossen Orgeltoccaten der Norddeutschen: Zwei Fugen – die erste über ein chromatisches Thema, die zweite im Gigue-Rhythmus – werden umrahmt von freien, toccatischen Teilen, in denen sich Bruhns“ grosser Reichtum der Erfindung zeigt: rhetorisch geprägte Rezitative, „spannende”, von Generalpausen durchsetzte Teile und nicht zuletzt, in der Mitte des Stückes eine „Imitation violistica”, also die Nachahmung von Violinfiguren auf der Orgel. Bruhns war nämlich auch ein hervorragender Geiger. Man sagt ihm nach, er habe seine Solokantate „Mein Herz ist bereit” für Bass, konzertierende Violine und Generalbass so ausgeführt, dass er, auf der Orgelbank sitzend, die Vokalpartie sang, die konzertierende Violinstimme mit den Händen spielte und dazu noch auf dem Orgelpedal mit den Füssen den Bass.

Die Partita „O Gott, du frommer Gott“ BWV 767 ist vermutlich zwischen 1700 und 1702 in Lüneburg entstanden, denn sie zeigt deutliche Parallelen zu den Choralpartiten von Bachs Lehrer Georg Böhm. Diese Partita (eine Reihe von Variationen) ist manualiter, also ohne Pedalgebrauch komponiert. Auf eine einfache Harmonisierung des Chorals folgen acht Variationen, in denen Bach gewisse Aspekte des Textes abbildet: die stockende rhythmische Formel der Bassfigur in der 5. Variation entspricht sicherlich dem »sauren Tritt«, der ins hohe Alter führt, von dem die 6. Strophe der Textdichtung heisst. Die absteigenden Achtelketten der 6. Variation entsprechen dem «Lass mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden». Die letzte Variation komponiert Bach als norddeutsche Choralfantasie mit genau bezeichneten Manualwechseln. Die «Verklärung», von der die letzte Strophe der Dichtung spricht, gibt Bach so wieder, dass er das Grundtempo dieses Satzes überraschend in ein »Andante« umwandelt.
Fantasie und Fuge g-moll BWV 542 gehört zu Bachs bekanntesten Orgelkompositionen. Einen aufrüttelnden improvisatorischer Gestus besitzt dieses kühne Werk, dessen chromatische Harmoniefolgen vieles von dem vorwegnehmen, was erst im 19. Jahrhundert Allgemeingut kompositorischen Handwerks wurde. Die Fuge mit ihrem motorisch geprägten Duktus scheint die Lösung der espressiven und harmonischen Fragestellungen der Fantasie zu sein, auch wenn sie nicht im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Fantasie entstand. Da das Thema eine deutlich erkennbare Variation einer niederländischen Liedmelodie ist, bringt man die Fuge mit Bachs Reise 1720 nach Hamburg und die erfolglose Bewerbung an St. Jacobi in Verbindung. Dort spielte er dem greisen niederländischen Organisten Jean Adam Reinken vor, der in hohem Alter immer noch das Amt des Organisten an St. Katharinen versah, und erntete für sein Spiel von Reinken höchstes Lob.

Über die Musizierenden
Gerhard Löffler

GerhardLoefflerKantor und Organist der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg
Seit 2016 ist Gerhard Löffler Kantor und Organist der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg. Sein Orgelrepertoire umfasst die Musik aller Epochen, wobei dem Schaffen Bachs eine zentrale Rolle zukommt. Regelmässig spielt er als Gast auf bedeutenden historischen Instrumenten (Silbermann, Stellwagen) ebenso wie auf symphonischen Orgeln (Walcker, Sauer). Er gastiert in den Domen von Kaliningrad, Bamberg, Ottobeuren, Erfurt und Berlin, aber auch in den Konzerthäusern von Berlin und Bochum und der Alten Oper Frankfurt. Als Organist arbeitet er mit Ensembles wie der Jungen Deutschen Philharmonie, dem Juilliard Symphony Orchestra und dem NDR-Chor zusammen. Viele seiner Konzerte wurden von Rundfunk und Fernsehen dokumentiert.
Ebenso vielseitig ist auch Gerhard Löfflers Repertoire als Diri¬gent. Mit seinen Kantoreien erarbeitet er neben Werken des klassischen Chorrepertoires vom Oratorium bis zur a-cappella-Musik auch zahlreiche Kompositionen von der Alten bis zur zeitgenössischen Musik. Regelmässig gewinnt er sein Publikum aber auch für selten gespielte Werke von Salomone Rossi oder Francis Poulenc, die er in seinen Programmen geschickt mit den Klassikern des Repertoires kombiniert. 2013 folgte er der Einladung der Berliner Domkantorei zur Aufführung von Bachs „Weihnachtsoratorium” an den Berliner Dom.
Sein Schaffen führt ihn immer wieder mit Solisten wie Bogna Bartosz (polnische Mezzosopranistin), Lothar Odinius (Tenor), Sebastian Noack (Bariton), Manfred Bittner (Bass), Iwona Sobotka (Sopran), Bernd Weikl (Bariton) und den Schauspielerinnen Katharina Thalbach und Hannelore Elsner zusammen. Er leitete das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, die Berliner Symphoniker, Mitglieder der Staatskapelle Berlin und das Barockorchester Aris & Aulis. Vielfach bringt er auch orchestrale Werke zu Gehör wie Wagners „Karfreitagszauber“ oder Mendelssohns „Sommernachtstraum”. Bereits Jungstudent bei Martin Lücker (Frankfurt am Main), studierte er dann A-Kirchenmusik in Frankfurt, anschliessend Künstlerische Ausbildung Orgel bei Ludger Lohmann (Stuttgart) und John Weaver (New York). Der 1979 geborene Organist war Musikalischer Assistent der Juilliard Choral Union und wirkte als Kirchenmusiker in Frankfurt und Berlin. Einladungen führen Gerhard Löffler in näherer Zukunft in die Hamburger Elbphilharmonie, zu den Bochumer Symphonikern, nach St. Katharinen in Frankfurt am Main und an die Stellwagen-Orgel in Stralsund.
(Text: Gerhard Löffler)

Eintritt frei, Kollekte

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